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Familienaufstellung für mein Pferde
Energetik Pferdehaltung

Familienaufstellung für mein Pferd und mich

Zugegeben, ich hatte ein paar Tage überlegt, ob ich ein so persönliches Thema öffentlich ansprechen möchte. Einige Zeit nach der Familienaufstellung für mein Pferd und mich mit Angelika Hutmacher war ich tatsächlich etwas am Boden zerstört. Nicht aufgrund der Informationen, die ich erhielt, aber Herr Pony ist ein enger Freund. Freunde und ihre Gefühle sind mir sehr wichtig. Offenbar konnte ich aber eine seiner großen Lasten nicht ernst genug nehmen, was mir wahnsinnig leid tut.

 

Familienaufstellung für mein Pferd – echt jetzt?

Genau das werden Einige von euch denken. Viele von euch haben vielleicht schon Erfahrungen mit Aufstellungen gemacht, dann aber innerhalb der Familie, für eure Kinder, vielleicht? Nun ja, das gibt es auch für Pferde. Angelika Hutmacher macht diese Aufstellungen schon seit Jahrzehnten. Wir hatten einen Termin zum Skype-Gespräch vereinbart, der dann auch wie abgemacht statt fand. Vor einiger Zeit hatte ich Angelikas Buch gelesen und rezensiert. Diesen Bericht findet ihr hier. Bei der Pferdeflüsterei gibts außerdem ein Interview mit Angelika – hier lang!

 

Eine Diagnose, eine Entscheidung

Ich erzählte Angelika von Herrn Ponys gesundheitlichen Problemen. Wenn ihr uns schon länger verfolgt, wisst ihr, dass er viele Defizite im Sozialverhalten aufweist und immer wieder mit körperlichen Schwierigkeiten kämpft. Nun vermutet unser Tierarzt einen Fesselträgerschaden am linken Vorderbein. Der Vorschlag: Stammzellentherapie, oder Stoßwellentherapie in einer Klinik. So weit so gut. Eine niederschmetternde Diagnose, viel schlimmer aber ist die Tatsache, dass wir in eine Klinik müssten. Das kommt nicht in Frage. Warum? Weil mein Bauchgefühl das sagt. Haltet mich für Fahrlässig oder naiv, ich weiß einfach, dass Herr Pony das nicht unbeschadet durchstehen würde. Ich musste und wollte nach Alternativen suchen und habe diese in einer Familienaufstellung gefunden.

 

Erzähl mir von euch

Angelika Hutmacher und ihre Seite „Familienaufstellung für Pferde“ hatte ich vor einiger Zeit über Social Media Plattformen kennen gelernt. Eine sehr sympathische Frau, die in der Lage ist, mit ihrer Fröhlichkeit anzustecken. Sehr vertrauenswürdig also, ich bat sie kurzerhand um Hilfe. In unserem Skypegespräch erzählte ich ihr umrissen von Herrn Ponys Diagnose und unserer gemeinsamen Zeit, nun immerhin schon 8 Jahre.

 

Ich fühle mich bedrückt und hilflos

Dieser Satz Angelikas während der Aufstellung, versetzte mir einen Stich ins Herz. Eine Vermutung meinerseits, weil Herr Pony so starke Defizite im Sozialverhalten aufweist, wurde von ihr bestätigt. Er hatte wohl schon ganz früh seine Mutter verloren. Ein Verlust, der durch Menschen nicht aufgewogen werden kann. Ein Fohlen, das in der Prägephase alleine aufwachsen muss, wird es sein ganzes Leben schwer haben. So auch Herr Pony. Dieser Verlust macht es ihm unmöglich, Bindungen mit anderen Pferden einzugehen. Diese Pferde dann zu verlieren, würde zu sehr schmerzen. Bindung bedeutet für ihn also Schmerz, davor muss er sich schützen. Das erklärt auch, warum ich nicht möchte, dass er in eine Klinik kommt. Er würde sich ausgeliefert und hilflos fühlen. Ich möchte nicht den Fesselträgerschaden therapieren, wenn ich gleichzeitig die Seele meines Ponys zerstören würde. Versteht ihr? Lieber einen belasteten Körper, als eine noch größere Verletzung einer Seele.

 

Was wär ich ohne dich?

Diese Frage stelle ich mir ganz oft. Ohne mein geliebtes Pony wäre ich nichts. Scheinbar fühlt er ähnlich. Ich erzählte Angelika von unserem Abendritual, das wirklich jeden Tag durchgeführt wird, damit Herr Pony weiß, die Zeit mit seinen Menschen ist heute vorbei, es kommt heute niemand mehr. Das ist wichtig für ihn, weil er oftmals auf mich wartet, und traurig ist, dass ich nicht auftauche (ich bin jeden Tag bei ihm, wenn ich keine Zeit habe, hat er Tanten und Onkels, die ihn besuchen). Angelika sagt, wäre ich nicht, wüsste er keinen Grund, am Leben sein zu wollen. Viele von euch würden sich eine solche Bindung zwischen Pferd und Mensch bestimmt wünschen. Für mich ist diese Information aber ganz furchtbar. Ich habe ein Pferd an meiner Seite. Ein Pferd aber sollte sich an seinen Artgenossen orientieren, nicht an Menschen. Das Wichtigste sollten ihm seine vierbeinigen Freunde sein, nicht ich. Würde mich eine Fee besuchen und mir einen Wunsch gewähren, würde ich sie darum bitten, aus dem Herrn ein Herdentier zu machen, das seine Zeit mit seinen Kumpels genießt und wertschätzt.

 

Turniersport

 

Es stimmt, dass ich mich sehr um seine Gunst bemüht habe, immer. Anfangs mochte er mich nicht (Einen Teil unserer gemeinsamen Geschichte könnt ihr hier nachlesen). Ich ihn auch nicht, er hatte mich das Fürchten gelehrt. Dennoch waren wir uns eben nunmal begegnet. Ich wusste um meine Verantwortung, die ich mit ihm übernommen hatte. Er sollte sich wohlfühlen und ein für ihn annehmbares Leben führen. Er sollte nicht durch noch mehr Hände gehen, es würde nicht besser für ihn. Also blieb er und wir wuchsen zusammen. Langsam aber stetig.

Ich erinnere mich noch gut daran, als ich ihm zeigte, dass Löwenzahn schmeckt, oder das erste Mal, als er gestresst über seine kleine Weide trampelte. Ich setzte mich ins Gras und wartete. Er guckte erst, kam dann zu mir und konnte sich das erste Mal entspannen. Weil ich da war. Traurige und schöne Momente zugleich.

 

Herr Pony und sein Spencer

Dass ich Spencer übernahm, war kein Zufall. Ich wollte damals ein zweites Pferd, damit Herr Pony einen fixen Freund hat, der immer da war, ohne die Gefahr, dass er irgendwann mit seinem Besitzer in einen anderen Stall zog. Wie das Schicksal es so wollte, kam das ungewollte Ponyfohlen bei uns an und blieb. Mit ihm hat Herr Pony einiges gemeinsam. Auch er musste von seiner Mama weg, mit 6 Monaten eigentlich zu früh. Der Unterschied war, dass Spencer in ein schönes Leben umzog, mit Pferdefreunden und Menschen, die es gut mit ihm meinten. Ein kleines, unbekümmertes Etwas, das sofort auch mit Herrn Pony Freundschaft schloss, was zugegeben nicht ganz selbstverständlich war.

Spencer aber ist mindestens genau so geduldig mit dem Herrn, wie ich es bin. Und er gibt ebenso nicht auf. Wie ein kleiner Boomerang unternimmt er immer wieder Versuche, dem Herrn etwas Zuneigung zu entlocken. Hier sieht man, dass nichts dem Zufall überlassen wird. Spencers Einzug war geplant. Von wem auch immer. Er passt in unser Grüppchen wie die Faust aufs Auge.

 

Wir wissen um deine Probleme, und nun?

Angelika erklärte mir, dass der Schock und der Schmerz aus Herrn Ponys Kindheit erkannt und ernstgenommen werden will. Mit homöopathischen Mitteln (Aconit und Staphisagria) und Heilsätzen, ich versuche beides mit inneren Bildern zu transportieren, soll der Schmerz geheilt werden. Erst dann kann auch der Körper heilen.

 

Ich möchte meine Veranlagung nicht nutzen

Herr Pony hat gute Veranlagungen zur Dressurarbeit. Diese zu nutzen, klappt aber nicht, weil er eben immer wieder Wehwehchen hat, die bekämpft werden wollen. Der Grund dafür könnte sein, dass er diese Veranlagung von seiner Mutter geerbt hat. Er kann sie also nicht nutzen, weil er an seine Mutter und das damit verbundene Leid erinnert werden würde. Ganz ehrlich, mir ist es inzwischen gleich, ob er irgendwas gemeinsam mit mir erreichen kann und möchte. Ich wünsche mir ein zufriedenes, unbelastetes Pony, das sein Leben genießen kann. Und daran werden wir arbeiten. Ein Ponyleben lang.

 

Krankheiten aufstellen und verstehen

Angelika hat für euch ein Video aufgenommen, in dem sie euch zeigt, wie sie helfen kann, wenn eure Pferde von Krankheiten geplagt werden. Hier seht ihr, dass nicht immer die Krankheit selbst der Auslöser von Problemen ist, sondern oftmals ganz andere Dinge dahinter stecken.

Was kommt danach?

Die ersten Tage nach der Aufstellung war Herr Pony mir gegenüber noch etwas anhänglicher, als sonst. Vielleicht hat er gespürt, dass ich ihn bemitleide. Immer, wenn ich an ihn und seine Mutter dachte, wollte ich weinen. Das aber ist der falsche Weg. Ich möchte ihn unterstützen. Mitleid hat noch niemandem geholfen, so auch ihm nicht.

Ich konnte ihn vor ein paar Tagen beim Fellchenkraulen mit Spencer beobachten. Früher hätte er unkoordiniert ins Pony gebissen, dieses wäre genervt von dannen gezogen. Diesmal aber war das anders. Wie ein Profi kraulte er den Kleinen zurück. So als täte er nie etwas anderes.  Auch erträgt er Spencers Nähe jetzt besser. Der Kleine darf an seinen Heuhaufen, der Herr jammert, wenn ich Spencer zum Training hole und er alleine zurück bleibt.

Sogar der Fesselträger scheint weniger verdickt zu sein, die Lahmheit wird besser. Hier unterstütze ich in mit Gamaschen von Fedimax, die gute Dienste leistet. Ab nächster Woche wird er noch mit Sehnenkräutern von Krauterie.de unterstützt. Wir warten also erst mal ab, eine Entscheidung für die Klinik kann ich immer noch fällen.

 

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7 Comments

  • Reply
    Saskia von PferdeSpiegel
    at

    Liebe Tanja,

    ich finde es sehr mutig, dass Du hier so ehrlich schreibst. Eine Geschichte die berührt und hoffentlich einige erreicht. Denn Herr Pony wird ganz sicher nicht das einzige Ponypferd sein, dass so etwas durchgemacht.

    Ich freue mich darauf, ihn ganz bald treffen zu dürfen. Vielleicht hätte ich die Geschichte erst danach lesen sollen, um ihn durch andere Augen zu sehen, aber wer weiß, wozu das gut war 🙂

    Hab einen schönen Sonntag! Saskia

    • Reply
      Tanja
      at

      Ich hab eh überlegt, ob es gut ist, das öffentlich anzusprechen. Aber ich treffe immer wieder Pferde, die so wirken, als würden sie irgendwelche Lasten mit sich herum schleppen… vielleicht wird ja so doch einigen geholfen 🙂 Hab dem Herrn schon von deinem Besuch erzählt 😀 er is ganz gespannt!

  • Reply
    Claudia
    at

    Liebe Tanja,

    ein absolut spannendes Thema. Mir hat es die Tränen in die Augen getrieben.

    Es ist so schön zu sehen wie sehr du auf ihn eingehst, auch wenn es manchmal nicht leicht ist.

    Er ist eines der reichsten Ponys auf der Welt, weil er einen Menschen hat der nur sein bestes will! Das ist mehr als viele andere überhaupt haben…

    Liebe Grüße
    Claudia

  • Reply
    Mandy
    at

    So eine rührende Geschichte! Schön, dass ihr ihm helfen konntet. Falls du noch einen Tipp mit den Fesselträger brauchst: Frag mal in deiner Gegend, ob ein Physiotherapeut/Osteopath euch einen medizinischen Punktlaser leiht. Meine Stute hatte 40%igen Fesselträgerabriss hinten und nach zwei Wochen Laserbehandlung (1xtäglich) war nur noch ein kleines Loch übrig. Und die Struktur des Gewebes hat selbst den Tierarzt beeindruckt. Gute Besserung und immer schön das gleichmäßige aufbauende Bewegungstraining einhalten 🙂

  • Reply
    Kathi
    at

    Liebe Tanja,

    Eine wunderbare Geschichte. Mutig dass du hier so offen darüber schreibst, vielleicht öffnet es dem einen oder anderen die Augen. Gut auch dass er Spencer hat. Rein vom lesen her ähneln sich er und mein Dartmoorpony sehr, gut wenn es so unbekümmerte Wesen gibt, die anderen Pferden helfen können, die schlechte Erfahrungen gemacht haben.

    Finde euch 3 superspannend und lese immer wieder gerne bei dir mit. Es gibt mir immer wieder Inputs.

    Wünsch euch alles Gute auf dem Besserungsweg von deinem Großen, finde es großartig, dass du erst andere wege suchst, bevor du mit ihm in die Klinik fährt.

    <3

  • Reply
    Bettina Belitz
    at

    Liebe Tanja,
    ich finde diesen Ansatz überhaupt nicht schräg; schließlich sind Pferde auch „Familienwesen“ (Herdentiere mit Prägungen) und außerdem unsere Spiegel. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir über eine solche „pferdische Familienaufstellung“ viel über uns selbst, unsere Beziehung zu unserem Pferd und unsere eigene Beziehungen zu unseren Familienmitgliedern und Freunden/Bekannten lernen können. Sehr berührt hat mich Deine Bemerkung, dass Du ohne ihn nichts wärst. Ich kann nachfühlen, wie es dazu kommt – doch sei gewiss, dass Du ohne Herrn Pony vollkommen bist und er ohne Dich auch, von eurer Essenz her. In meiner Wahrnehmung hat jeder von uns eine vollkommene Seele, auch wenn er sich dessen nicht immer bewusst ist. Aber ganz sicher finden Pferde und Menschen einander, um sich gegenseitig zu helfen und auf ihrem Weg zu unterstützen und so seid ihr „ein Herz und eine Seele“. Das ist etwas Wunderbares! Genieße es und freue Dich daran.
    Liebe Grüße,
    Bettina (die Pferde mit heilenden Kristallklängen begegnet … und es ist schön zu sehen, wie sie darin „baden“ 😉 )

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