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Microriding
Clickertraining Training mit alternativen Ansätzen

Ich kann dich fühlen! Microriding mit Alexandra Kurland

Microriding. Nie zuvor davon gehört, bin ich sehr, sehr dankbar, diesen einen Kurstag mit Alexandra Kurland, auf dem Rosenhof bei Anja Beran, erlebt zu haben. Ich bin ein sehr verkopfter Mensch. Ihr kennt das vielleicht auch. Der Bauch weiß eigentlich immer, was zu tun ist. Der Verstand aber macht uns meist einen Strich durch die Rechnung und sagt uns, was richtiger ist als unser Bauchgefühl. Wir folgen den Gedanken, das Bauchgefühl wird ignoriert.

Gerade aber beim und auf dem Pferd wäre sowohl uns, als auch den Tieren geholfen, wenn wir weniger Denken und mehr fühlen würden. Das weiß ich eigentlich auch. Aber dieses Wissen und dem Gefühl folgen, sind zwei paar Schuhe.

 

Experimente – Fühle, was das Pferd fühlt!

Der Kurstag begann mit einem interessanten Experiment. Wir sollten um eine kleine Pylone laufen und fühlen, wie wir wann welche Teile unseres Körpers belasten. Ob wir nach innen fallen, oder nach außen getragen werden. Und wie sich dieses Gefühl verändert, wenn unser Körper zentriert ist und wir unser Gewicht optimal zu verlagern wissen. Ihr seht, worauf ich hinaus will. Das Thema Longieren wird ganz groß geschrieben, wir alle aber wollen unsere Pferde schonend longieren, möchten, dass sie sich gesund bewegen, uns schadfrei lange Jahre tragen und begleiten können. Wer von uns aber hat sich schon mal in den Körper des Pferdes eingefühlt? Ich bisher nicht. Gerade das aber ist das fehlende Puzzleteil. Fühlen, was der andere fühlt. Bewegungen kennen, die wir von unserem Partner verlangen. Erfahren, einschätzen, wahrnehmen.

Auch hier wurde mir wieder bewusst, wie sehr sich mein Kopf in meine Gefühle einmischt. Ich will verstehen, ich will fühlen, aber mein Kopf sagt, beweg dich so, tu das, mach jenes. Ich hatte bei diesen Übungen das Glück, die liebe Mary Concannon, Trainerin nach Alexandra Kurland, an meiner Seite zu haben, die mich geduldig durch die Übungen begleitet hat. Hier wiederum eine tolle Erfahrung, anstatt zu kritisieren, was ich falsch mache, lobte sie mich für Bewegungen, die gut und richtig waren. Das wiederum führt mich zurück zum Pferd. Es ist gut und richtig, Pferden neue Dinge, Bewegungen, Lektionen Schritt für Schritt und mit viel Lob und Bestätigung beizubringen. Es fühlt sich toll an, gelobt zu werden. Es ist schön, Zeit zu haben, die Dinge verstehen zu lernen.

 

Lass dich beeinflussen – lass dich fördern – lass dich loben!

Gerade in letzter Zeit stelle ich mich viel in Frage, nicht nur mich, auch den Weg, den ich mit Pferden gehe. Ist es richtig, alles vorsichtig und kleinschrittig zu erarbeiten? Muss ich mich nicht doch auch mal durchsetzen? Warum nicht über Stressmomente und Punkte, an denen das Pferd mental an seine Grenzen stößt, zu ignorieren und einfach weiter am Programm arbeiten, immerhin müssen die ja später funktionieren. Aber nein. Müssen sie nicht. Pferde sind Lebewesen wie wir auch. Wir Menschen sind nicht besser als andere Tiere. Pferde sind uns nichts schuldig. Sie haben nicht entschieden, bei uns zu sein. Wir haben entschieden. Pferde müssen uns weder dankbar sein, noch uns etwas zurück geben. Es ist unsere Pflicht, sie so gut wie möglich zu behandeln, uns weiter zu bilden, im Sinne der Pferde. Es ist nicht fair, uns an ihnen bereichern zu wollen, unser Ego an ihnen zu stärken, sie zu benutzen – nach dem Motto „Weil ich es kann!“ Dabei ist es völlig gleich, ob andere gut finden, was ihr tut. Wichtig ist, dass ihr und eure Pferde euch wohl fühlt, dass ihr euch hinterfragt und den Pferden gute, faire Partner und Freunde seid!

 

Vom sehen zum fühlen

Auf diesem Foto seht ihr Spencer und mich in synchroner Bewegung:

 

Microriding, Clickertraining Spencer

 

Nicht ich habe diese Synchronität erzeugt, sondern Spencer. Ich hab diese Momente nicht einmal wahr genommen, so sehr war ich mit der Technik beschäftigt. Spencer aber hat neben dem Achten auf meine Kommandos, dem Folgen des Targets, dem Laufen, noch genug Achtsamkeit übrig, um auf Synchronität – die magische Verbindung zwischen uns Beiden – Wert zu legen. Ich wage zu behaupten, dass er ganz genau weiß, was ich in dem Moment fühle, wie ich mich fühle, er nimmt meine Bewegung wahr, folgt dieser. Ich, als verkopfter, mit dem Training beschäftigter Mensch, kann das an ihm erst auf Fotos entdecken. Dabei könnte ich es, schenke diesen Aspekten aber nicht genug Aufmerksamkeit. Das bringt uns wieder zurück zu dem Kurstag.

 

Mit Microriding zur Achtsamkeit für das Gegenüber

Eine Übung bestand daraus, aus Gedanken Bewegungen zu machen und diese Bewegungen des Gegenübers zu fühlen. Zugegeben, konnte ich mich auch hier nicht ganz meinen Gedanken hingeben, habe den Kopf zugeschaltet und war demnach, im Nachhinein betrachtet, nicht in der Lage, auszuführen, was gewünscht war. Das aber bedeutet nicht, dass ich nicht weiter an mir arbeiten werde. Oder eben gegenteilig, weniger bewusst an mir arbeiten werde, dafür meinen Gefühlen mehr Raum zu geben. Gemeinsam mit Christina von Herzenspferd und wiederum Mary Concannon folgte ich meinen Gedanken, fühlte fremde Bewegungen, wurde ich bestärkt und lobte. Dabei zeigte mir Christina ganz besondere Momente auf. Sie fühlte mich! Beeindruckt und überwältigt konnte sich Christina über diese Erfahrung von Herzen freuen, während ich – verkopfter Weise – damit beschäftigt war, keine Fehler zu machen. So freie, fröhliche, freundliche Menschen können uns ganz viel lernen, wenn wir sie lassen.

Auf Herzenspferd könnt ihr nachlesen, wie Christina diese Übung wahrgenommen hat und wie ihr im Team das gleiche erleben könnt! Vielen Dank an dieser Stelle für deine Herzlichkeit und das Öffnen meiner Augen, liebe Christina! <3

 

Mein Fazit und Kursempfehlungen für euch:

Zu diesem Kurstag reiste ich unvoreingenommen an. Also halbwegs zumindest. Natürlich hatte ich mir von einem Tag mit der amerikanischen Trainerin Alexandra Kurland Einheiten mit dem Clicker erwartet. Indirekt wurden diese auch erfüllt. Ich konnte selbst erfahren, wie es sich anfühlt, für Richtiges bestätigt zu werden, anstatt einem Weg von Korrekturen zu folgen. Aus diesem Tag kann ich viel mehr mitnehmen, als ich es hätte durch irgendwelche Lektionen, die man dem Pferd beibringen kann, hätte mitgenommen. Wenn ihr also die Möglichkeit habt, einen derartigen Kurs zu besuchen, solltet ihr das unbedingt tun! Dazu gibt es im Shop von Alexandra Kurland DVDs zum Thema, ein Must-Have auf meiner Liste!

Kurse und Veranstaltungen:

Mary Concannon gibt auch Kurse in Österreich und Deutschland, einen davon werde ich hoffentlich noch in diesem Jahr besuchen. Michaela Hempen, ebenfalls Clickertrainering, gibt Kurse in Deutschland und Italien.

Auf Anja Berans Gut Rosenhof findet ihr noch viele andere tolle Veranstaltungen. 

 

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2 Comments

  • Reply
    Christina
    at

    Liebe Tanja,

    es war mir eine große Freude und Bereicherung dich endlich auch mal „in echt“ zu treffen und mit dir zusammen zu lernen <3
    Ich freue mich schon total auf unser nächstes Treffen ganz bald, das wird klasse 😀

    Liebe Grüße,
    Christina

  • Reply
    Alexandra Kurland
    at

    Hi Tanya,

    I’ll write my comment first in English and then I’ll use google translate. You can all have a laugh at the google version.

    Many thanks for a great article. I always enjoy sharing Microriding. It was a treat for me to be able to give the microriding workshop. My thanks very much go to Michaela Hempen for organizing it, and to Anja Beran for welcoming us to her beautiful training facility. I’m glad you could join us.

    Alexandra Kurland
    theclickercenter.com

    Hallo Tanja,

    Ich werde mein Kommentar zuerst in Englisch schreiben und dann werde ich Google übersetzen. Sie können alle ein Lachen auf die Google-Version haben.

    Vielen Dank für einen großen Artikel. Ich genieße es immer Microriding teilen. Es war ein Genuss für mich in der Lage sein, die microriding Werkstatt zu geben. Mein Dank sehr viel zu Michaela Hempen für die Organisation es, und Anja Beran für uns ihr schönes Trainingsanlage begrüßen zu können. Ich bin froh, dass Sie uns beitreten könnten.

    Alexandra Kurland
    theclickercenter.com

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