Tash-Horseexperience
Wissenswertes rund ums Pferd

Der hat einfach keine Lust!

Oftmals stehen wir vor Problemen mit unseren Vierbeinern und können uns deren Reaktion bzw. deren Verhalten nicht erklären. Ob das nun unkonzentrierte bis fehlende Mitarbeit im Training ist, plötzliches Zicken beim Satteln, gestern gibt der Gaul brav die Hufe, heute tritt er nach uns.

Pferd widersetzt sich

Wir Menschen neigen dazu, solches Verhalten persönlich zu nehmen und mit dem Gedanken abzutun, der Gaul hätte heute eben einfach keine Lust. Das aber ist eine grundsätzlich falsche Einstellung. Ein Pferd tut nichts einfach nur so, weil es eben grade nicht will. Natürlich kann es schon mal passieren, dass Herr Pferd nicht am Grasstreifen vorüber will, weil ihm das saftige Grün zwischen den Zähnen sinnvoller erscheint, als am Reitplatz seine Runden zu drehen. Plötzlich auftretende Widersetzlichkeiten aber, haben immer einen Grund und dem gilt es auf den Zahn zu fühlen.

Aber nehmen wir mal gleich das Thema Reiten als Besprechungsgrundlage. Das Reiten beginnt mit dem Satteln. Hier gibt es viele Pferde, die ungemütlich werden, sobald man nur mit dem Sattel auf sie zu geht.

Dein Pferd widersetzt sich? Kläre folgende Fragen für dich ab!

1. Sitzt der Sattel gut, oder drückt er irgendwo?
Pferde haben einen sehr sensiblen Rücken. Da wären die Dornfortsätze der Wirbel, auf denen ein schlecht sitzender Sattel eventuell aufliegen könnte? Die Schulter und die dazugehörende Muskulatur, welche eventuell zu viel Druck abbekommt. Der lange Rückenmuskel, der durch schlechten Sitz des Sattels punktuell belastet werden könnte und und und.. Die Liste ist unendlich lang. Ausserdem verändert sich der Rücken des Pferdes mit dem Training, oder mit etwaigen Trainingspausen. Ein einmal angepasster Sattel muss also nicht nach einigen Monaten noch gut sitzen. Hier solltet ihr regelmäßig einen Experten zu Rate ziehen, euer Pferd wirds euch danken!
Hiervon kann ich ein Liedchen singen, hatte ich schon einige Sättel für den Herrn und keiner hat wirklich lange gut gepasst. Der Letzte lag sogar hinten auf den Dornfortsätzen auf, kein Wunder, dass er bei kleinsten Ungereimtheiten oder Taktschwankungen meinerseits zum Buckeln überging und das Ding loswerden wollte. Ich habe mittlerweile alle Sättel verkauft und mir einen Fellsattel zugelegt. Mit diesem fühlt sich Herr Pony sehr wohl, drückt nicht und dämpft doch mein Gewicht ab. Aber wie gesagt, lasst euch vom Experten beraten und sucht nach der besten Möglichkeit für euer Pferd.
2. Gurte ich richtig?
Vielleicht gurtet ihr zu schnell, bzw. mit zu viel Zug?  Viele Pferde reagieren hier empfindlich und halten den sofortigen Druck um den Bauch nicht aus. Vielleicht aber habt ihr auch einen falschen Bauchgurt. Derer gibt es viele verschiedene Arten und sollte dieser möglichst pro Pferd gewählt werden. Gerade Pferde mit Gurtzwang erfordern einiges an Feinfühligkeit und manchmal sogar ist überhaupt positive Bestärkung und Training nötig, um dem Pferd die Angst vor dem Zuziehen des Gurtes zu nehmen. Auch hierfür ist Expertenrat gefragt.
3. Lege ich den Sattel richtig auf?
Auch ein sehr wichtiger Punkt, wird zu weit vorne bzw. zu weit hinten gesattelt, entstehen ebenfalls viele Probleme. Wenn ihr euch hier nicht sicher seid, bittet jemanden, der mit der richtigen Lage des Sattels vertraut ist, euch zu zeigen, wie er richtig liegt.
4. Weiter zur Trense, verursacht mein Gebiss dem Pferd Schmerzen?
Viele Pferde haben nicht gelernt, sich sofort zu Wort zu melden, wenn ihnen etwas unangenehm ist. Oftmals sind die Zähne vielleicht in keinem guten Zustand, oder ist das Gebiss einfach schon sehr abgekaut. Auch hier können Probleme von heute auf morgen auftreten und es liegt an euch, diese zu lösen, das Pferd wird sich wohl nur mit Kopfschlagen, Zähneknirschen, oder dem so oft erwähnten „hinterm Zügel verkriechen“ melden. Nehmt diese Anzeichen ernst und guckt eure Ausrüstung auf Fehlerhaftigkeit durch, bzw. lasst regelmäßig die Zähne eurer Pferde untersuchen. Auch am Leder können natürlich Fehler auftreten, zu viel Druck im Genick, zu eng geschnürter Nasenriemen etc., auch das solltet ihr regelmäßig checken.
Jetzt sitzen wir also schon auf dem Pferd und drehen unsere Runden auf dem Reitplatz. Neben der oben erwähnten Ausrüstungszustände, kann natürlich auch euer Training demotivierend auf das Pferd wirken. Das Pferdchen ist triebig, bockt oder hampelt rum, kennen wir alle, oder?
Hier also ein paar Grundregeln, die es zu beachten gilt, und zwar unabhängig von Reitweise oder Trainingsart:
Bring Abwechslung rein!
Runde um Runde in der selben Gangart zu drehen, sieht das Pferd weder als sinnvoll, noch als anregend an. Bemüh dich also, einiges an Figuren, Richtungs- und Gangartwechsel einzubauen. So sind nicht nur die Pferdebeine in Bewegung, sondern auch das Hirn.
Verlange nichts Unmögliches!
Wenn du Lektionen erarbeitest, die dein Pferd erst lernen muss, nimm dir dafür Zeit. Du darfst niemals erwarten, dass das Verlangt sofort gezeigt wird, oder das Tier sofort kapiert, was es tun soll. Überleg dir die Lernschritte genau, lass dem Pferd die nötige Zeit, um alle Schritte ordentlich zu erlernen.
Sollten bereits sitzende Lektionen mal nicht so klappen, reagiere nicht mit schimpfen, sondern gehe einen Schritt zurück. Auch ein Pferd braucht Erfolgserlebnisse, diese solltest du ihm gönnen. So wie wir, haben auch unsere Vierbeiner oftmals schlechte Tage, das sollten wir respektieren.
Natürlich musst du auch auf das Gebäude des jeweiligen Pferdes achten, nicht jedes Pferd kann alles, bzw. ist für alles geeignet. Darüber solltest du dich ganz genau informieren, bevor du mit dem angedachten Training beginnst.
Gestalte das Training positiv!
Immer wieder: Loben, loben, loben! Wenn dein Pferd was gut macht, zeig ihm auch, dass du das toll findest! Immer wieder gleiten wir ins Schema ab, gute Leistung zu erwarten und schlechte zu bestrafen. Versuch es mal umgekehrt: Pony macht’s gut? Freu dich mit ihm! Pony liefert heute schlechtere Leistung ab? Ein Schritt zurück, einfachere Anfrage – Pony macht’s gut? Freu dich mit ihm!
Aufhören, wenn’s am besten ist!
Jawohl, ich kenne das auch. Es läuft grad richtig gut, das wollen wir auskosten und machen weiter, so lange es geht. Genau das ist aber leider der falsche Weg. Man soll aufhören, wenn’s am besten ist, ist so ein schlechtes Sprichwort gar nicht. Positiv aus dem Training kommen. Reiter und Pferd. Das soll das Ziel der Arbeit sein. Für uns nicht immer leicht, aber glaubt mir, eine extra Portion positive Stimmung tut der Motivation und der Pferd-Mensch-Beziehung richtig gut, viel besser ist das, als weitere 10 Minuten gute Leistung 😀
Euch fallen noch weitere Gründe ein, warum sich das Pferd widersetzt? Oder habt Tipps für kreatives, positives Training? Immer her damit!

Chevalie hat sich zur Aussage „Der testet Dich!“ Gedanken gemacht. Seid vertrauenswürdig, gerecht und hinterfragt euch gerne auch mal selbst!

Dani hat noch einige Infos in Sachen „Schmerz erkennen beim Pferd!“ für euch.

Alessa zeigt hier auf, wie wir unsere Pferde zur Freundlichkeit erziehen können.

Wiebke hat hier auch noch ein paar aufrüttelnde Worte.

Und damit es noch Erwähnung findet: Die angeführten Punkte sind natürlich nur ein paar Möglichkeiten von vielen und sollen der Anregung zum Nachdenken und Hinterfragen dienen, sollte das Pferdchen sich auffällig verhalten 🙂

Allerliebste Grüße,
Tash

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6 Comments

  • Reply
    Anonym
    at

    Liebe Tanja,

    ich lese hier schon eine ganze Weile still mit und bin ganz oft deiner Meinung. Auch der Artikel hier ist klasse. Natürlich haben auch Pferde mal keine Lust, aber prinzipiell sind sie kooperativ und wollen mitmachen und wenn sie sich dann dauerhaft gegen was wehren, dann wollte mal der Mensch nachschauen was eigentlicht falsch läuft.

    Liebe Grüße
    Miriam

  • Reply
    Tash
    at

    Hallo Miriam!

    Danke für deine Worte und nochmal danke fürs Lesen meiner Schreiberei 🙂 Klar haben Pferde auch mal einfach keine Lust, dem will ich nicht widersprechen. Aber wenn sich eben akut und aus dem Nichts etwas ändert, muss man die Ursache finden, anstatt Ausreden zu suchen 🙂

    Allerliebste Grüße!

  • Reply
    Nadja
    at

    Mein Projektpferd hatte eine Sattel-Giftphase. Er hat nie gebissen, aber sein Missfallen war deutlichst. Ich habe den Sattelprozess in Kleinstschritte zerlegt, und bei jedem Schritt seine Reaktion berücksichtigt, so lange, bis es besser wurde. Es hat gedauert. Aber es zahlt sich aus, dem Pferd zu beweisen, dass es ok ist. Ich habe keine Lust, jedes Mal, wenn ich reiten will, mit einem Sattel-Kampf zu beginnen. VG! Nadja

  • Reply
    Tash
    at

    Wow, Nadja… das ehrt dich und können sich hier einige ein großes Stück von dir abschneiden! In einer Partnerschaft ist es wichtig, dass man auch mal Unmut äußern darf, der heutige Pferdemensch hat noch einiges zu lernen 🙂

  • Reply
    Anonym
    at

    Ich bin auch mal ein Schulpferd geritten was einfach nie „Lust“ hatte, grund 1 hatte ich bereits vor dem ersten Reiten gefunden ein absoluter Sattel-Hass nach der Reitstunde habe ich auch deutlich die scheuerstellen der vorderen Kammer gesehen. danach war ich gut 1 1/2 Jahre ohneSattel unterwegs (mir für ein Schulpferd nen eigenen Sattel zu kaufen war mir doch etwas zu teuer) Grund 2 war das bereits kaputte gebiss und die schlecht sitzende total steife Ledertrense. Also hab ich mir meine Wanderreit nylon Trense geschnappt ihn ausgemessen und mir ein eigenes Gebiss gekauft. Das hat schon viel geholfen trotzdem gabs die Situation das er mir einmal einfach stehen geblieben ist und einfach jedes Kommando genau gegensätzlich ausgeführt hat. Anreiten wurde zu rückwärts richten links biegung hat zu einer rechts kurve geführt usw. Also hab ich ihn einfach mal einen Moment stehen lassen die Zügel lang gegeben und mich so rumstehend gut 5 minuten mit dem Herrn unterhalten was er denn meint was jetzt sinnvoll wäre. Danach haben wir uns geeinigt das Schritt und Trab einfach zu langweilig sei und im nächsten Moment sprang er im Galopp an und hat auf minimale Gewichtsverlagerung reagiert als gäbe es nichts wichtigeres. Da der Herr durchparrieren für den Handwechsel unnötig fand und es mir nichts ausmachte haben wir so auch noch kurzerhand den fliegenden Wechsel gelernt. so eine „keine Lust“ Phase kann also sehr lehrreich sein 😀

    Liebe Grüße Sabine

  • Reply
    Tash
    at

    Da hatte ein Schulpferd großes Glück, an dich geraten zu sein 🙂 die meisten Leute akzeptieren das Leid dieser Lehrer, ohne zu hinterfragen.. alles Liebe für dich!

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