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Unsicherheit im Pferd auflösen
Training mit alternativen Ansätzen

Die Unsicherheit in dir und deinem Pferd

Unsicherheit ist ein Teufelskreis. Das Pferd ist unsicher, es traut sich wenig zu, erschrickt vor allem und jedem. Wir selbst stehen ständig unter Strom, weil wir bei jedem Busch erwarten, dass unser Pferd in Panik verfällt. Oder unser Pferd ist nervös und rüpelhaft, was uns selbst zu einem nervösen Etwas macht, das bei jedem Stoß vom Pferd immer grober antwortet, weil das Pferd immer weniger auf uns hört.

 

Die Unsicherheit des Pferdes wird zu unserer und umgekehrt. Oft sind es kurze Momente im Zusammensein, die sich so sehr in unseren Köpfen verankern, dass wir immer und immer wieder davon eingeholt werden und unserem Pferd nicht mehr vertrauen können.

Darauf wiederum antwortet unser Pferd mit Misstrauen. Auf unterschiedlichste Weise. Manche versuchen, unserer Unsicherheit zu entkommen, indem sie forsch auf uns zugehen und so wirken, als wären sie frech und unberechenbar. Andere wiederum erschrecken tatsächlich nach kürzester Zeit bei jedem kleinen Windstoß. Wieder andere zappeln unter uns herum, scheinen keine Ruhe mehr zu finden und schaffen den Eindruck, als würden sie jeden Moment explodieren.

 

Die Unsicherheit in dir und deinem Pferd

Das alles schafft Angst und Unsicherheit in uns. Irgendwann sind wir am Punkt angelangt, an dem wir nicht mehr weiter wissen – und auch nicht wollen. Chevalie hat hier einen schönen Text verfasst, zum Thema „Wenn das eigene Pferd zur Belastung wird.“ Ich denke, an diesen Punkt gelangen wir alle, die wir ein Reiterleben führen, mindestens ein Mal im Leben.

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, als Herr Pony bei mir einzog. Alles wurde in kürzester Zeit ganz schwer, das Pony war nicht zu händeln, ich war unzufrieden, hatte Angst und verzweifelte immer mehr.

 

Ich habe aber eine gute Nachricht für uns!

In diesem Zustand müssen wir nicht bleiben. Wir können jederzeit aus diesem Kreislauf entkommen – wenn wir an uns selbst und unseren Emotionen arbeiten! Ganz oft erlebe ich, dass die Blockade zwischen Menschen und ihren Pferden nur eine winzig kleine, gut aufzulösende, sich unbewusst manifestierte, Ungereimtheit ist, die sich auflöst, sobald man sie verstanden und erkannt hat.

Wenn unser Pferd Probleme hat oder macht, liegt ein Teil dieses Problems immer auch bei uns. Hier ein paar Beispiele:

 

Die Unsicherheit in der Stute und ihrer Besitzerin

Aus Erzählungen wusste ich, dass es der Besitzerin sehr schwer fiel, die Stute zu Clickern, da sie stark zum Betteln neigt und dem klickernden Menschen dabei stark auf die Pelle rückt. Als ich dann vor ein paar Wochen zu dem Paar kam und mit den beiden Gemeinsam an diesem Problemchen arbeiten wollte, fand ich ein unsicheres, vorsichtiges Pferd vor, das den Ausweg nach Vorne für sich entdeckt hat. Das Pferd hatte erkannt, dass es sich selbst am besten schützen kann, in dem es seinen Besitzer einengt und dieser dadurch mehr oder weniger Handlungsunfähig wird. Das Gegenstück, die Besitzerin, hingegen ist unklar in ihren Aussagen und selbst stark verunsichert. So etwas kann sich zu Problemen entwickeln, die es eigentlich nicht gibt. Den beiden fehlt der Spaß an der Arbeit, was klar ist und eigentlich wirken beide so, als wären sie froh, wenn sich die Wege nach der gemeinsamen Zeit wieder trennen. Dieses Pferd will eigentlich nur, dass der Besitzer weiß, was er will, dabei mit dem Pferd klar und fein umgeht. Ohne negative Emotionen, ohne hilfloses Zappeln. Hier sieht man gut, dass man Fehler gerne auch bei sich suchen darf und soll.

 

Der ungestüme Wallach und die Erwartungshaltung seines Besitzers

Auch dieses Pferd hat teilweise den Weg nach Vorne für sich entdeckt. Rüpelhaft und zappelig. Sowohl bei der Bodenarbeit, als auch unterm Sattel. Das Selbstvertrauen des Wallachs scheint nicht vorhanden, ebenso aber auch das des Besitzers in sich selbst. Ein Unfall vor einiger Zeit sitzt dem Besitzer im Genick, das Vertrauen ins Pferd ist weg. Dazu kommt die Erwartungshaltung an sich selbst, dass das Pferd lernen und ausreichend bewegt werden muss. Der Stress beginnt oft schon am Putzplatz, das Vertrauen nimmt immer mehr ab, der innere Stress steigt, weil man immer noch nicht das erreichen kann, was man gerne möchte. Man ist genervt von immer weiteren auftretenden Problemen. Dazu kommt die Angst vor Verletzungen auf beiden Seiten. Nimmt man vorsichtig den Druck und die Verantwortung vom Besitzer, kann man in kürzester Zeit beobachten, wie sich beide – Pferd und Mensch – im Umgang miteinander entspannen. Der Druck im Besitzer war so groß, dass weder er selbst noch sein Pferd ihm gerecht werden konnten. Der Stress hat sich aufs Pferd übertragen, die Erwartungshaltung als Druck auf dessen Schultern gelastet.

Hier mal kurz zur Erinnerung: Es gibt kein MUSS. Ein Muss wird uns immer einschränken und blockieren. Ich muss das und das erreichen, ich muss das und das Problem lösen. Nein. Wandelt das Muss in ein „ich will“ oder „wir können“ um und schon sieht die Welt ganz anders aus. Seid euch dazu noch klar, was ihr eigentlich wollt und womit ihr und euer Pferd euch wohl fühlt und die Hölle verwandelt sich in eine saftige Blumenwiese, in die euch das Pferd am Stick hinein zieht.

 

Mein widerwilliges Pony und das verunsicherte Ich

Zwischenzeitlich dachte ich, dass Spencer und ich wohl niemals Spaziergänge ohne Herrn Pony meistern könnten. Das Pony stand wie versteinert auf dem Asphalt, es gab keine Chance auf ein Vorwärts. Scharrend, widerwillig in den Boden stampfend stand er wie angewurzelt, sobald ich den Hof gemeinsam mit ihm verlassen wollte. Erst als ich endlich in der Lage war, die Situation nüchtern zu analysieren und den Fehler bei mir finden konnte, wurden wir gemeinsam Herr der Dinge. Ich hatte Erwartungen. Ich erwartete, dass er stehen bleiben würde, ich erwartete, dass er sich sträuben, um sich beissen, mich hin und her ziehen würde, ich war gestresst. Ich war verunsichert und voller negativer Gedanken. Natürlich belastet das mein Pferd. Wie sollte er auf die Idee kommen, dass der Spaziergang Spaß machen würde, wenn ich schon beim weggehen verkrampfte. Nicht mein Pony hatte ein Problem, ich hatte es. Es war mir unmöglich, ihm die Sicherheit zu geben, die er braucht. Im Gegenteil, ich habe ihm verständlich gemacht, dass es keine so gute Idee ist, sich auf mich zu verlassen. Erst, als ich diese Erwartung und Unsicherheit umkehren konnte in „das wird ein Spaß“ und „guck, ich weiß, was ich tue“, waren die Wurzeln im Asphalt aufgelöst. Heute können wir schon gute Runden alleine bewältigen und haben Freude aneinander.

 

Ich hätte noch viele andere Beispiele, in denen ich nur mich nennen könnte. Probleme und Blockaden werden immer wieder auftauchen. Wir Menschen sind nicht perfekt. Unsere Erfahrungen prägen uns und oft stehen sie uns eben so sehr im Weg, dass wir keinen Ausweg mehr finden.

 

Helft euch selbst aus der Unsicherheit und wachst gemeinsam mit euren Pferden!

Benennt eure Probleme, die eure Pferde und euch blockieren. Versucht, herauszufinden, was euch den gemeinsamen Weg versperrt und ein Weiterkommen verhindert. Atmet einfach mal tief durch, denkt an Gänseblümchen und lächelt über euch selbst. Unsere Ängste müssen wir nicht von heute auf morgen überwinden, aber ich denke, wir sind es unseren Pferden schuldig, uns selbst zu hinterfragen und uns einzugestehen, dass manche Blockaden in uns selbst entstehen und die Pferde diese spiegeln, weil sie auch davon gefesselt sind.

 

Noch ein letzter Tipp für euren heutigen Besuch im Stall: 

Versucht vielleicht mal, gewisse Situationen aufzuschreiben und fragt euch, wie ihr euch dabei fühlt. Wagt einen kleinen Schritt nach Vorne, in dem ihr über diese Situation lächelt und seht, was in diesem Moment in eurem Pferd vorgeht. Ihr werdet sehen, wie sich euer Selbstvertrauen und das des Pferdes entwickeln.

 

Lesetipps:

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3 Comments

  • Reply
    Susi
    at

    Wie wahr der Artikel doch ist. Ich war jahrelang sehr verunsichert beim Ausreiten weil ich teilweise keine guten Erfahrungen gemacht hatte. Diese Unsicherheit hat sich klarerweise übertragen sodass mein eigentlich superbraves Pferd entweder gar nicht vom Stall wegging oder drn ganzen Ausritt über dem Explodieren nah war. Erst als ich es, wie auch immer schaffte, gelassen, aber bestimmt mit ihm alleine vom Hof zu reiten und diese Bestimmtheit bzw. das Sicherheitsgefühl den ganzen Ausritt beibehielt, war auch mein Oldie wieder ganz der Alte und vertraute auf meine Entscheidungen.

  • Reply
    Agathe
    at

    Ich finde dein Artikel sehr endspannend. Ich hab immer noch Probleme mit dem Pferd was ich ein mal in der Woche reite. Er ist ein Kaltblüter und er ist sehr respektlos. Er hat jetzt vor kurzem gebuckelt und beim ersten Mal habe ich mir den Steiß geprellt und drei Wochen danach hat er nochmal genuckelt und da ging alles gut. Mein Problem ist das er sehr verzogen ist da es ein Reitpony ist. Ich reite deshalb an der Longe weil ich ihn auch nicht richtig lenken kann. Mein Reitlehrer hat immer zu tun ihn fest zu halten. Gallop Trau ich mich auch nicht seit dem er kreuzgallopiert ist. Ich reite Gallop. Ich nicht langen und naja. Vertrauen hab ich eigentlich nicht so richtig. Ich hoffe du hast einen Tipp!

    • Reply
      Tanja
      at

      Hallo liebe Agathe 🙂

      du hast doch einen Reitlehrer? kann er nicht gemeinsam mit dir und dem Pony arbeiten? Oder kennst du ein anderes Pony, das besser für dich geeignet ist? Ist immer schwierig, wenn Pferd und Reiter sich gegenseitig nichts beibringen können 🙂

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