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Clicker-Irrtümer
Bodenarbeit Clickertraining

Die häufigsten Clicker-Irrtümer

Hier mal ein paar Punkte, die von Neulingen oder anderen Pferdemenschen im Clickertraining falsch verstanden werden. Aufklärung in Sachen Clickern quasi 😀

Die häufigsten Clicker-Irrtümer:

Clickern ist einfach!

Eigentlich ist Clickern sogar sehr schwierig. Nicht fürs Pferd, aber für den Menschen. Einfach mal so schnell mit dem Clickern anzufangen, ist mehr oder weniger nicht möglich und das Vorhaben sogleich zum Scheitern verurteilt. Meiner Meinung nach benötigt man fürs Clickern in erster Linie die Kenntnis der Lerntheorien. Also: Wie lernt das Pferd. Dann muss man sich in Präzision üben, am Besten hat man immer einen Plan im Kopf, was man dem Pferd wie beibringen will.

Der Click bedeutet Lob!

Diese Aussage ist so auch nicht richtig. Der Click markiert richtiges Verhalten und kündigt das Lob (zB das Leckerlie) an. Der Clicker ist also ein präzises Werkzeug um exakt erwünschtes Verhalten zu markieren. Er zeigt dem Pferd damit an, dass es richtig gehandelt hat und seinen Ansatz hier weiter ausbauen kann. Das Lob ist aber immer noch das auf den Click folgende Leckerli, die drauf folgende Streicheleinheit oder Pause.

Die Leckerli lässt man weg, sobald das Gewünschte gelernt ist!

Das ist nur halb richtig. Gelerntes bringt man unter Signalkontrolle, was bedeutet, dass das Pferd ein Verhalten (zB spanischer Gruß) nur dann zeigt, wenn wir das fordern. Sobald eine Lektion sitzt, wird also variabel bestärkt und nicht bei jeder richtigen Ausführung. Das sieht dann so aus: Ich will den spanischen Gruß gezeigt haben, drei mal hintereinander. Dann gibts den Click und das Zucki. Das nächste Mal will ich vier Grüße – Click und Leckerli. Ein anderes Mal klicke ich wieder beim ersten richtigen Gruß. Dies motiviert das Pferd auf Dauer mehr, als würde ich jeden Gruß bestätigen. Würde ich auf Dauer jeden richtigen Ansatz loben, wird die Lektion vermutlich eher unsauber und lustlos gezeigt.

Funktioniert es nicht wie gewünscht, sind die Leckerlis schuld!

Da wären wir wieder beim Punkt „Clickern ist einfach!“. Im Grunde liegt die Unhöflichkeit des Pferdes immer im Fehler des Menschen. Die wichtigste Lektion im Clickertraining ist, neben der Ruhepausen, die Höflichkeitsübung und die Konsequenz. Das Pferd darf also nicht betteln, nicht in Taschen kramen etc. Der Mensch dafür hat sich an das Versprechen zu halten, dass nach jedem Click ein Leckerli folgt, wenn er sich für Futterlob als Belohnung entschieden hat. Auch sollten die Zuckis zwischendurch absolut vermieden werden, weil das wiederum sehr unzuverlässig wirkt. Das Pferd könnte denken „Ich krig ja eh so auch Zuckis, warum soll ich was dafür tun, hol ich mir gleich selbst!“.

Der Click ersetzt das Leckerli!

NIEMALS! Der Click markiert lediglich das richtige Verhalten und kündigt das Leckerli (Lob) an. Wie oben erwähnt, werden die Clicks weniger, oder variabel eingesetzt. Niemals aber gibt es einen Click ohne Lob. Diese beiden Instrumente sind immer fest mit einander verbunden und müssen zuverlässig miteinander verbunden bleiben. Sonst droht die Gefahr, dass der Clicker nicht mehr ernst genommen wird und seine Wirkung verliert. Zudem stellt das Pferd uns in unserer Zuverlässigkeit in Frage.

Häufige Probleme, die beim Clickern auftreten

Das Pferd bettelt?

Wie oben erwähnt, muss die Höflichkeitsübung (dazu gibts ganz viele Videos auf Youtube) gleich nach dem Aufladen des Clickers (Das Pferd muss erst lernen, dass auf jeden Click ein Lob folgt), installiert werden. Hier ist es wichtig, dass der Mensch wirklich konsequent dran bleibt und die Höflichkeit des Pferdes immer fordert. Kramt das Pony nach dem Click in der Tasche wird mit der Leckerli-Fütterung abgewartet, bis es wieder eine höfliche Position einnimmt. Auch wird immer von unserem Körper weg gefüttert, um ein Taschenkramen zusätzlich zu unterbinden.

Das Pferd ist aufgeregt?

Viele Pferde, vor allem die, bei denen Verhalten oft eingefangen wird (das Pferd zeigt zufällig etwas, das uns gefällt, wir Clicken und verstärken dieses Verhalten somit), sind beim Clickertraining regelrecht nervös und aufgedreht. Das geht oft so weit, dass diese Pferde nicht mal mehr beim Striegeln ruhig stehen können. Hier ist angezeigt, dass wir ein Herumhampeln auf keinen Fall bestätigen und immer wieder Pausen in die Arbeit einbauen. Ein gestresstes Pferd lernt nicht. Findet also für euch und euer Pferd heraus, wie ihr es zur Ruhe kommen lassen könnt. Vielleicht stellt ihr euch in die Mitte des Reitplatzes und krault es ein paar Minuten oder so. Je nach dem, was euch und eurem Pferd eben am besten entspannt.

Der Mensch ist übermotiviert und überfordert das Pferd?

Oft sehe ich Clickermenschen, die zwar total konzentriert sind, den Spaß an der Arbeit aber sichtlich vergessen. Ein Pferd freut sich total, wenn wir uns freuen. Also freut euch mal so richtig, wenn euer Pony was ganz tolles macht. Und hört auch immer dann auf, wenns am schönsten ist. Das motiviert euch beide noch mehr, als ein angestrengtes „Erreichen wollen“ einer Lektion.

Clickern

 

Clicker-Irrtümer

 

Clickern

Also, ihr Lieben. Setzt euch mit den Lerntheorien auseinander und sucht euch, wenn möglich, einen geeigneten Trainer für den Anfang. Ansonsten wird euch das Clickern viel Freude und ganz viele neue Aufgaben geben!

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8 Comments

  • Reply
    Saskia
    at

    Hallo liebe Tash,

    von allen Seiten erreicht mich das Clicktertraining dieser Tage 🙂 Dein Artikel ergänzt sich ja schön mit Ann-Cathrins Interview.
    Ich hatte mich mit dem Clickertraining im letzten Jahr schon einmal sehr viel auseinander gesetzt, v.a. mit dem Thema „Wie lernen Pferde“, aber dann war es wieder in den Hintergrund getreten und ein ungelesenes Buch verstaubt seit Monaten vor sich hin. Vielleicht sollte ich das bald mal wieder ändern?! 🙂

    Viele liebe Grüße
    Saskia von PferdeSpiegel

  • Reply
    Tash
    at

    Die Lerntheorien sind wirklich wichtig. Egal, wie man arbeitet. Man sollte sich immer damit auseinander setzen, wenn man jemandem was beibringen will 🙂 also ja, geh mal kramen 😀 Allerliebste Grüße an dich! <3

  • Reply
    Justine Wynne Gacy
    at

    Das kann man auch sehr gut auf einen Hund übertragen 😀

    Mal wieder sehr informativ und wunderhübsche Bilder!

    Blaue Küsse
    Justine

  • Reply
    Blinde Simulantin
    at

    Sehr schön geschrieben und erklärt . Clickertraining bei Hunden hab ich viel Erfahrung , mit den Pferden steck ich noch in den Anfängen.
    Ich glaube das es den meisten Menschen schwer fällt genau im richtigem Moment zu klicken .
    Liebe Größe Anja

  • Reply
    Tash
    at

    Huhu Anja 🙂 Ich hab vor Kurzem einen Hund geclickert. Die sind aber mit ihren Aktionen und Reaktionen viel schneller als Pferde. Also meiner Meinung nach viel schwieriger noch zu trainieren 🙂 Liebe Grüße an dich!!

  • Reply
    Tash
    at

    Ich drück dich, Liebes! <3

  • Reply
    lenina01.at - von Pferden lernen...
    at

    hi!
    Ich habe ja schon viel vom Clickern gehört und auch ein bisschen etwas glesen. Witzig ist, dass ich genau alle diese Irrtümer sofort im Kopf hatte!

    Bei mir und meinem Pflegepferd ist zwar noch nicht so weit zu denken, wir arbeiten noch immer an unserer Höflichkeit. Trotzdem war es total interessant zu lesen, ich hatte bis jetzt ein ganz falsches Bild.

    Danke.

    Liebe Grüße
    Claudia

  • Reply
    Birgit
    at

    Prima,
    kurz und knackig auf den Punkt gebracht! =:o)
    Deine Auflistung ist interessant zu lesen und bringt hoffentlich ja einige Anfänger, die an sich oder ihrem Pony (ver)zweifeln, wieder dazu, es noch einmal zu versuchen! =;oD

    Mein Lieblingspunkt ist gleich der Erste: Clickern ist einfach. – Daran scheitern die Meisten…
    Der lerntheoretische Hintergrund ist superspannend, wie ich finde, und je tiefer man sich da reinliest, umso mehr Möglichkeiten ergeben sich…
    Inzwischen finde ich, daß Pferde nicht unbedingt einfacher zu clickern sind als Hunde; sie stellen mich vor ganz andere Herausforderungen; wenn ich einen Hund clicke, ist seine muskuläre Reaktionszeit viel schneller als die eines Pferdes, weil seine Körpermasse viel geringer ist. Beispiel: ein „Halt“ kann mein Hund viel schneller befolgen als mein Pferd – ich vergleiche das manchmal mit dem Bremsweg eines Kleinwagens gegenüber einem LKW =;o)
    Wenn mein Pferd durch einen Fehler meinerseits frustriert ist, stehen plötzlich 450kg in meinem Weg =;oP Häufig ist das der Punkt, an dem viele Anfänger Muffe kriegen und aufhören statt sich kompetente Hilfe zu holen. Sehr schade, denn der Fehler liegt ja beim Menschen, nicht beim Pferd. – Um Missverständnissen vorzubeugen: Jaha, auch ich war mal an dem Punkt… Ich wollte aber den Plan nicht einfach aufgeben, mein (hoffentlich) letztes Pony in diesem Leben rein positiv verstärkt auszubilden. Und durch die richtige Unterstützung habe ich es geschafft, mir treu zu bleiben =:oD
    Mein Pony findet das ziemlich cool!
    Fehler sind mir passiert und werden mir wohl immer wieder passieren, auch ich bin nur ein Mensch, aber zu wissen, WER es verbockt hat (nämlich ich selber) und wie ich es beim nächsten Mal besser mache, macht das Training immer wieder zu einer tollen Herausforderung.
    Zur Zeit reite ich mein Pony grade an, auch rein mit CT, weil es mir einfach Spaß macht zu sehen, wie mein Pony Spaß hat.
    Ich hoffe, daß noch viel mehr Tierleute diesen Weg als den ihren annehmen, denn die Belohnung dafür ist ein Tier, das sich auf das Training, und damit seinen Menschen, freut. Und das – ist unbezahlbar! =;oD
    Viel Erfolg euch allen,

    Birgit (ovis ridens)

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