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konsequentes Pferdetraining
Bodenarbeit Training mit alternativen Ansätzen

Konsequentes Pferdetraining: Dein Pferd weiß, was du fühlst!

Wie sieht konsequentes Pferdetraining für dich aus? Bitte stelle dir die Frage ganz ehrlich, versuche, sie für dich zu beantworten und lies erst dann hier weiter.

Ich gehe auf ein Pferd-Mensch-Paar zu, um beide zu begrüßen. Der Pferdemensch ist gleich verwundert „Wow, normalerweise ist mein Pferd Fremden gegenüber ziemlich scheu, bei dir bleibt er hier und spitzt die Ohren!“

Was fühlst du?

Wenn du in dich gehst: Wie fühlst du dich im Moment? Strahlst du aus, was du fühlst? Oder verstellst du dich, um nicht aufzufallen? Kannst du Freude zeigen? Kannst du zulassen, dass dein Gesicht zeigt, was dein Inneres gerade fühlt?

Unsere Emotionen sind es, auf die wir achten müssen und gleichzeitig müssen wir diese Emotionen ehrlich annehmen und wahrnehmen. Wir erleben jeden Tag ganz viel, treffen viele Menschen, werden mit einigen Problemen konfrontiert. Es ist fast eine Kunst, dieses Päckchen des Tages irgendwo abzulegen und frohen Mutes die nächste Baustelle anzugehen. Aber: Was wir nicht ändern können, sollte uns auch nicht ärgern oder frustrieren. Dann ist es eben so und gut.

Hier sollten wir auf unsere Pferde hören. Sie leben im Moment. Pferde machen sich keine Gedanken darum, was gestern war oder was morgen passieren wird. Klar, die Welt ist derzeit nicht gesund, das wissen wir alle. Von Anschlägen über Vergewaltigungen bis hin zu Überfällen und dem Klimawandel. Dagegen sind wir meist machtlos. Allerdings können wir uns bemühen, unsere eigene kleine Welt gesund zu erhalten und versuchen, uns unsere Fröhlichkeit zu bewahren.

Und dennoch: Wir müssen zeigen, was wir fühlen. Wir dürfen uns selbst den Rücken stärken und zu uns und unseren Emotionen stehen. Denk an dein Pferd: Würde es fröhlich um dich herum tänzeln, wenn es gerade unzufrieden ist? Würde es zornig die Zähne fletschen, wenn es sich gerade auf die gemeinsame Zeit mit dir freut?

 

Lass mich bitte in Ruhe, ich traue dir heute nicht.

Ein schwarzer Tag für mich, ich bin nicht in der Lage, meine negativen Gedanken loszuwerden. Die Achtsamkeit würde versuchen, mich zu lehren „Nimm deine Gedanken wahr, akzeptiere sie, aber bewerte sie nicht.“ So weit so gut, oft schaffe ich das und ja, es tut tatsächlich gut und macht frei. Manchmal aber ist man in seinen Gedanken und den dazu passenden Emotionen gefangen. Herr Pony spürt das. Im Normalfall würde er auf der Weide heranstürmen und sich über die bevorstehende gemeinsame Zeit mit mir freuen. Nicht an diesem Tag. Er bleibt etwa 300 Meter von mir entfernt stehen. Der Herr hält kurz die Nase in meine Richtung, mustert mich. Das Pony senkt den Kopf, dreht um und geht. Ich verstehe ihn so gut, ich würde an diesem Tag auch nicht mit mir zusammen gewesen sein wollen. Später versuche ich nochmal, ihn zu rufen. Wieder ohne Erfolg.

Herr Pony ist ein sehr weises Tier. Nach mittlerweile vielen Jahren an meiner Seite, hat er im Lauf der Zeit einen neuen Menschen aus mir gemacht. Ich muss akzeptieren, wenn er nein sagt. Zugegeben, das tut schon auch ein wenig weh, aber er hat nunmal Recht. An diesem Tag wird es keine gemeinsame Zeit geben. Wobei, eine ganz kurze gibt es doch: Ich mache mich auf den Weg zu ihm, begrüße ihn so freundlich ich es an diesem Tag schaffe und versuche zu erklären, dass und warum ich meine Emotionen heute nicht im Griff habe.

 

Willst du wirklich, was du tust?

Unsere innere Einstellung spricht zu unseren Pferden. Ich habe bestimmt schon öfter erwähnt, dass wir uns vor unseren vierbeinigen Freunden nicht verstellen sollten, dürfen, müssen? Warum? Es macht keinen Sinn. Sie wissen ohne hin, was hinter unserer Fassade steckt. Wenn wir also etwas wollen, dann sollten wir das aus vollstem Herzen tun, nicht weil wir es müssen oder etwas von uns erwartet wird. Wie kann ich von meinem Pferd verlangen, dass es motiviert und freudig mit mir arbeitet, wenn ich selbst keine Lust auf eine Lektion habe?

Wie kann ich meinem Pferd ehrlich erklären, dass ich mir genau diese Lektion jetzt wünsche, ohne selbst eine Vorstellung davon zu haben, ohne selbst daran zu glauben, dass diese Lektion auch gelingen wird?

Stell dir vor, du könntest dein Gegenüber lesen. Es verlangt, dass ihr euch gemeinsam an einen Tisch setzt, Kaffee trinkt und über die bevorstehende Arbeit sprecht. Das Innere des Gegenübers aber zeigt dir, dass es genau das eigentlich nicht möchte, weil es sich unsicher fühlt und nicht weiß, worüber es mit dir sprechen soll. Wie fühlst du dich in dieser Situation? Bist du verunsichert? Spürst du, dass du mit deinem Gegenüber machen kannst, was du möchtest, weil es nicht in der Lage ist, die Führung im Gespräch zu übernehmen? Sträubt sich etwas in dir, deine Zeit mit diesem Gegenüber zu verbringen?

So in etwa fühlen sich unsere Pferde, wenn wir nicht fühlen, was wir wollen und nicht zeigen was wir fühlen.

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Wie kann konsequentes Pferdetraining aussehen?

Du möchtest, dass dein Pferd im Uhrzeigersinn um dich herum geht. Wie gehst du vor, was geht in dir vor? Hat du eine Vorstellung davon, wie das Ergebnis aussehen soll? Stehst du hinter deinem Vorhaben? Erscheint dir dieses Vorhaben als sinnvoll und wird deine Geste deine Vorstellung klar aussprechen?

Oder bist du doch unsicher, ob du das wirklich möchtest? Vielleicht bist du verunsichert, ob dein Pferd auch wirklich antworten wird? Was passiert, wenn dein Pferd die Frage nicht oder „falsch“ beantwortet? Sieht euch jemand zu? Macht dich das nervös?

Bitte denke jetzt nicht, dass ich dich noch weiter verunsichern möchte. Ich möchte dich stärken. Wenn du selbst nicht hinter deinem Tun stehst, kann dein Pferd auch nicht dahinter stehen. Es kann und wird nicht auf dich hören, weil du nicht tust, was du fühlst. Dein Pferd wird es bevorzugen, dass du ehrlich zu dir und ihm sagst, dass du dich unsicher fühlst, wenn du dich unsicher fühlst. Es wird dir nicht glauben, dass du souveräne Anweisungen gibst, wenn du dir selbst nicht glaubst.

Das ist die Konsequenz, die dein Pferd braucht, um mit dir zusammen arbeiten zu können.Der Glaube an dich und dein Tun ist die Essenz. Fühle was du tust und zeige was du fühlst.

Wie sieht konsequentes Pferdetraining nun für dich aus, nachdem du diese Zeilen gelesen hast?

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