Tash-Horseexperience
Pferde verstehen, Achtsamkeit
Training mit alternativen Ansätzen

So lernst du wie dein Pferd zu denken!

Dass Pferde nur für den Moment, das Jetzt und Hier leben, weißt du bereits und habe ich hier vor kurzem darüber geschrieben. Da es uns Menschen aber tatsächlich total schwer fällt, die Welt wie ein Pferd wahr zu nehmen, möchte ich heute näher darauf eingehen und dir ein paar Übungen vorstellen, wie du das Dasein im Moment üben kannst.

 

Pferde denken nicht wie wir

Pferde nehmen alles in ihrer Umgebung wahr und denken dabei nicht daran, was gestern gewesen ist, oder ob sie den Bus heute Abend rechtzeitig erwischen. Pferde leben immer für den Moment. Wenn sie fressen, fressen sie (und denken dabei nicht daran, dass das Heu grad zu Neige geht). Wenn sie dösen, dösen sie (und zählen dabei keine Schafe). Wenn sie soeben am Reitplatz geritten werden, werden sie eben geritten. Spielen sie ausgelassen auf der Weide, tun sie eben im Moment das.

Was Pferde dabei nicht können, ist, sich auf etwas zu fokussieren. Sie nehmen ihre Umwelt immer als Ganzes wahr. Sich auf die eben statt findende Reiteinheit zu konzentrieren und das Rundherum auszublenden, können sie nicht. Aus dem einfachen Grund, dass sie eben Flucht- und Beutetiere sind und dem entsprechend ihre Umwelt auf etwaige Gefahren oder Unruhen scannen müssen. Auch die Domestizierung hat an diesem Verhalten nichts geändert. Zwar fühlen sich Pferde in unserer Obhut bestimmt insgesamt sicherer als in der freien Natur, denken aber nach wie vor wie Wildpferde.

Diese Eigenschaft müssen wir als Reiter bzw. Pferdemenschen akzeptieren und unsere Wahrnehmung und den Umgang  mit den lieben Vierbeinern darauf einstellen. Ein „heute konzentriert er sich wieder überhaupt nicht!“ ist demnach ab jetzt fehl am Platz, weil du weißt, dass das ja überhaupt nicht statt finden kann. 🙂

Das Pferd kann jetzt und hier mit dir gemeinsam an Lektionen arbeiten. Dennoch ist das Pferd nebenan, der Vogel am Gatter, die Plane im Wind eben genau so präsent wie du es bist.

Was also kannst du tun, um dein Pferd in seiner Wahrnehmung besser zu verstehen?

 

Lass uns eine kleine Übung machen:

Versuche, das folgende Bild (weil Fotos ja Momentaufnahmen sind, gell) zu bewerten. Was siehst du auf dem Bild, wie ist die Stimmung, was tut das Pferd, was kannst du wahrnehmen? Bleibe dabei im Hier und Jetzt!

Pferde verstehen
Und? Was kannst du sehen? (Ich freue mich im Übrigen sehr, wenn du mir deine Wahrnehmung unten als Kommentar hinterlässt, weil auch ich immer noch weiter dran arbeite, alles wahr zu nehmen!)

Hier als Beispiel meine Wahrnehmung:

Das Sehen:
Ich sehe ein entspanntes Pferd, das links neben sich etwas interessantes sieht oder hört, es aber nicht in Angst versetzt. Es ist wohl ein Frühjahrstag, das Schilf ist braun, die Bäume nicht voll beblättert, die Sonne scheint. Ein paar Wolken sind am Himmel. Die leichten Wogen am See lassen auf etwas Wind schließen.  Das Pferd ist nicht hungrig.
Das Hören:
Würde ich neben dem Pferd stehen, könnte ich vielleicht den See rauschen hören, die Bäume im Wind rascheln hören, ein Vöglein zwitschert, auf der linken Seite hört man vielleicht ein Pferd wiehern.
Das Riechen:
Es riecht wohl nach Pferd, nach Wasser, nach frischem Gras, nach Erde.

Pferde verstehen heißt achtsam sein

Wenn du nun all diese Wahrnehmungen (und vermutlich sind es meist viel mehr) neben einander auflistest und sie in der gleichen Präsenz siehst, wie du als Mensch und in dem Fall nur ganz kleiner Teil des ganzen einnimmst, kannst du dir in etwa vorstellen, wie ein Pferd denkt und seine Umwelt wahrnimmt.
Gleichzeitig ist das eine sehr gute Übung für dich selbst, einfach mal vom Alltag abzuschalten, die Sorgen und Gedanken auszublenden und einfach zu sein. Dies wiederum hat den schönen Effekt, dass du weniger belastet auf dein Pferd zu gehen kannst. Und fröhliche unbelastete Menschen, sind dem Pferd viel lieber, als gestresste, von Gedanken geplagte, unkonzentrierte Menschen! 🙂
Hier noch ein Bild für dich, das du ganz für dich alleine bewerten kannst. Vielleicht schreibst du deine Wahrnehmungen auf ein Blatt, mittig dein Pferd und du, rund herum alles, das du wahrnehmen kannst:
Achtsamkeit, Pferde verstehen
Na? Ist das Blatt vollgekritzelt mit Eindrücken und Wahrnehmungen? Meines schon! 😀
Als kleiner Tipp zum Schluss: Versuche, dir im Training vorab ganz genau bildlich vorzustellen, was du mit deinem Pferd machen möchtest. Überlege dir die einzelnen Schritte genau, sei konzentriert im Training selbst. Vergiss dabei die neu erlernte Nachsicht nicht! Denke auch während dem Training vermehrt in Bildern und lass dich nicht ablenken – dabei aber nimm immer wahr, was um dich herum passiert. Ist dein Pferd kurz unkonzentriert, weil es etwas hört, sieht oder riecht, das seine Aufmerksamkeit fordert, gestehe ihm das zu und gib ihm den Moment für sich. Damit zeigst du dein Interesse am Pferd und es merkt, dass du es ernst nimmst.
Und bevor dieser Artikel nun unendlich lang wird, wünsche ich dir viel Spaß beim Wahrnehmen und ganz viel Freude mit deinem Vierbeiner!
Allerliebste Grüße, Tash

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3 Comments

  • Reply
    Familienaufstellungen Pferde Angelika
    at

    Durch meine Job habe ich das jahrelang trainiert – beobachten und wahrnehmen… Wenn ich deine stimmungsvollen Bilder sehe, lächle ich aus tiefstem Herzen…
    Eines des schönsten Geschenke meines Lebens sind meine Kinder. Gerade meine Kleinste hat mich nochmal auf eine andere Weise wahrnehmen gelernt. Das Kleine, das schöne, das besondere, das unglaubliche, das verträumte immer auch zu sehen..
    Ich schaue auf dein Foto… und die Form und die Farbschattierungen der Wolken zu sehen… und die Dinge zwischen den Grashalmen zu sehen.. die Wimpern meines Pferdes zu sehen… das kenne ich erst die letzten Jahre 🙂
    Ich drehe gleich meinen nächsten Montag-Video, dann ist immer so ein bisschen Spannung….
    Danke für den wunderbaren Moment des Lesens 🙂 … jetzt bin ich im Lächeln und es kann losgehen 😉

  • Reply
    Tash
    at

    Hach.. ein Lächeln bedeutet so viel.. und wenn ich dir eines auf die Lippen gebracht hab, freut mich das um so mehr! <3

  • Reply
    Svenja
    at

    Ganz toller Beitrag 🙂
    Mir wird es beim Ausreiten oder auch beim spazieren gehen mit dem Hudn immer wieder bewusst, wie viel ich verpasse, wenn man ständig über alles mögliche nachdenkt. Konzentriere ich mich auf das hier und jetzt kann ich mich über Kleinigkeiten wie einen tollen Lichteinfall zwischen den Bäumen oder den Spaß meiner Tiere an der Bewegung freuen und erinnere mich auch Tage später noch daran zurück, wenn ich beispielsweise im tristen Büro sitze. Bin ich aber in Gedanken, kann ich oft zwei Tage später nicht mal mehr sagen, wo ich genau gewesen bin.
    Konzentriert man sich auf das Hier und Jetzt und nimmt dieses bewusst war, kann man diese wunderbaren kleinen und doch so großen Augeblicke und das Zusammensein mit den so unglaublich unbeschwerten Tieren viel intensiver genießen 🙂

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